Reisesteckbrief Indonesien
Das Land der hundert Vulkane und Religionen
Meine Route:
Meine Highlights:
Der größte Adrenalinkick:

Das Gröhlen eines aktiven Vulkans. Der Mount Bromo ist laut wie drei startende Flugzeuge auf einmal. Dieses Gröhlen geht einem unter die Haut. Und der Rauch geht einem in die Augen, in die Nase, in die Haare. Das löst nicht nur Adrenalin, sondern noch ganz andere Hormone aus, da bin ich mir sicher. Ein Moment, in dem ich wirklich Ehrfurcht vor der Erde verspürt habe.
Die wildeste Erfahrung:
Die Komodo-Drachen im Nationalpark. Wir dachten, es könnte schwierig werden, welche zu sehen. Tatsächlich lagen direkt ein halbes dutzend der Drachen mitten im Dorf herum, angezogen von den Essensgerüchen aus Der Küche. Sie wirken wahnsinnig faul, wie sie so in der Sonne herumliegen. Allerdings mindert das auch nicht wirklich den Respekt vor ihren Zähnen und Klauen.
Die schönste Begegnung:

Das war wohl eindeutig Paul, unser Guide in Flores. Paul hat uns mit seinem Auto seine Insel gezeigt, für uns unzählige Einladungen der Einheimischen zum Tee übersetzt. Nach kürzester Zeit waren wir seine „Sadiri“, seine Schwestern. Er hat uns sogar zur Übernachtung in sein eigenes Haus eingeladen und uns seine Familie vorgestellt. Und niemand macht so gutes Tofu wie Pauls Schwiegermama!
Das beste Essen:
Das Tofu von Pauls Mama. Und das unglaublich gute Essen an Bord unseres kleinen Ausflugsschiffs im Komodo Nationalpark. Es gab jeden Tag frischen, super leckeren marinierten Fisch, jede Menge Gemüse, Reis und Nudeln. Und Bananen mit Schokosauce. Ein echtes Highlight.
Der dreisteste Trick:
Ich bin in Indonesien erstaunlich wenigen Schleppern über den Weg gerannt. Da gab es kaum schlechte Erfahrungen.
Der verrückteste Moment:
Ich sitze auf Flores in einer kleinen Hütte in einem traditionellen Dorf.Der Dorfälteste murmelt Worte, die wir nicht verstehen, in eine Schale voll Schnaps. Mama Mia rupft in der Ecke ein Huhn. Sie haben ihm gerade die Kehle durchgeschnitten, sein Blut in allen Ecken des Hauses verteilt. Und auf unseren Händen. Es ist ein Ritual, um uns in ihr Dorf aufzunehmen. Wir wollen hier heute übernachten, doch erst brauchen wir den Segen der Ahnen.
Was ich unterschätzt habe:
Die Schönheit Balis. Ich hatte Bali als nerviges Mallorca Indonesiens abgestempelt, das man besser umgeht, wenn man etwas mehr Kultur und Natur haben möchte. Aber Ubud und das Bergland sind dann doch mehr als das. Natürlich ist Bali touristisch. Aber die Menschen hier haben auch eine unglaubliche Liebe für Details. Balinesen lieben Kunst und Handwerk. Jedes vierte Haus sieht aus wie ein Tempel. Die Sonnenuntergänge sind traumhaft schön. Und wer will, der findet auch mitten auf Bali Abgeschiedenheit und Ruhe.
Was ich anders machen würde:
Ich würde die Gili-Islands meiden. Dort hat der Tourismus leider jedes bisschen Authentizität zerstört. Die Riffe leiden, die Pferde leiden, die ganze Inseln leiden unter Dreck, Müll und Wassermangel. Natürlich hat Gili immer noch Traumstände, nette Bars und wahnsinnig viele Möglichkeiten, um zu feiern und gute Musik zu genießen. Aber das ist es mir einfach nicht wert. Entspannen kann ich dort nicht. Da verbringe ich nächstes Mal lieber mehr Zeit mit Vulkanen. Oder um von Lombok nach Komodo mit dem Boot zu reisen – aus Zeitmangel Fliegen möchte ich nicht noch mal.
Was mich zum Nachdenken gebracht hat:

Die Sulfur-Arbeiter am Mount Ijen. Die ganze Nacht schleppen die Arbeiter bis zu 90 Kilogram schwere Sulfur-Brocken den Krater hinauf – oder klettern ihn hinauf, in Flip Flops und Gummistiefeln. Ich konnte unten ohne Gasmaske kaum atmen und hatte selbst auf dem Rückweg noch heftige Hustenanfälle. Die Sulfurarbeiter haben in der Regel gar keinen Atemschutz. Das sind Arbeitsbedingungen, die einen wirklich erschrecken. Vor allem, weil es einfachere industrielle Wege gibt, um Sulfur herzustellen. Aber die Sulfurarbeiter am Mount Ijen haben gleichzeitig einen unglaublichen Stolz auf ihre Arbeit. Oft haben ihre Väter schon Sulfur geschleppt. Und sie wissen einfach, dass diese Arbeit nicht jeder schafft.
Was mich nicht loslässt:
Die Vulkane. Mount Bromo, Mount Ijen, die Kraterseen von Mount Kilimutu. Ich habe noch nie eine so surreale und faszinierende Landschaft gesehen, wie am Fuße des Mount Bromo.