Vietnam

Reisesteckbrief Vietnam

Meine Route:

Von Hanoi zur Halongbucht und wieder zurück, in den Pho Nha Nationalpark, und weiter nach Hoi An, wo wir erst mal einige Tage versackt sind. Dann über Nha Trang (uarks) nach Da Lat (Highlight!), zum Cat Tien Nationalpark, nach Saigon, in das Mekongdelta und mit der Fähre nach Phu Quoc.

Der größte Adrenalinkick:

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Unser erster Abend in Hanoi war ein einziger Adrenalinkick. Unser Kleinbus blieb mitten im Verkehrschaos von Hanoi stecken, mitten auf einer riesige Kreuzung, auf der sich fünf, sechs oder acht Straßen trafen, wer weiß das schon. Um uns herum waren nur Roller sichtbar, mit bis zu fünf Passagieren auf einem Roller. Sie bewegen sich alle Ruckweise vorwärts, lassen das Gas kommen, springen einen Meter, bleiben wieder stehen. Aus irgendeinem Grund springen sie nicht gegeneinander, ich kann es mir nicht erklären. Jeder hupt und schreit, die Motoren grölen immer wieder auf. Es ist laut, es ist chaotisch, es stinkt, und genau das liebe ich an Asiens Metropolen.

In der Unterkunft drückt uns der Mitarbeiter erst mal einen Zettel in die Hand, mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Überquerung der Straße. Regel Nummer 1: Gehe immer vorwärts, bleibe niemals stehen. Sonst werden die Roller in dich hereinfahren. Halte Augenkontakt. Und es gilt: Das größere Fahrzeug hat immer Vorfahrt.

Ich glaube, das war das erste Mal seit meiner Grundschulzeit, dass mir jemand erklären wollte, wie man eine Straße überquert.

Der dreisteste Trick:

Nehmt euch in Hanoi vor den Flipflop-Dieben in Acht. Es passiert oft genug, dass einem Passanten laut rufend und wedelnd hinterher laufen. Bleibt man stehen, haben sie schon deinen Schuh in der Hand und kleben die angeblich lose Sohle.  Das ganze dauert nur ein paar Sekunden, danach halten sie die Hand auf. Und wenn man nicht zahlt? Sind sie sauer und gehen – mit dem Flipflop in der Hand.

Der schönste Sonnenuntergang:

Abends, auf einem sanft wiegenden Schiff mitten in der Halong-Bucht. Wenn die Sonne das Wasser einfärbt, und nur die Felsen sich nicht vom Farbspiel beeindrucken lassen. Noch schöner war da nur der Sonnenaufgang.

Der beste Transportweg:

Der Nachtzug! Ich bin noch nie mit dem Nachtzug gefahren, und in Vietnam war es das wirklich wert. Es war bequem und eine großartige Möglichkeit, Reisende und Einheimische kennenzulernen. In der teuersten Klasse teilt man sich mit vier Passagieren in vier Betten eine Kabine. Die Betten waren tatsächlich frisch bezogen, aber seinen eigenen Schlafsack dabei zu haben, kann nie schaden – ich habe immer einen dünnen Baumwoll-Reiseschlafsack dabei. Für große Menschen dürften die Betten allerdings auch in der teuersten Klasse zu kurz sein. Ich fand es mit meinen 1,58 Metern extrem bequem.

Die schönste Begegnung:

Wir kommen spätabends in Da Lat an und haben Hunger. Richtig Hunger. Wir laufen die Straße herunter und finden einen Laden, der eine Art Abendbrot auf einem heißen Stein serviert, mit undefinierbaren Würstchen. Niemand spricht englisch, es gibt kein Menü, aber wir zeigen einfach auf die Gerichte der Gäste am Nebentisch und bestellen so. Die Kinder der Besitzer werden ganz aufgeregt und lachen ständig. Ich schmeiße meine Cola um, wir bekommen sofort eine neue. Und dann kommt auf einmal der Besitzer des Lokals neben unserem vorbei – und spricht perfektes deutsch! Über zehn Jahre hat er in Deutschland gelebt und dort auch als Koch gearbeitet. Am nächsten Abend essen wir bei ihm: Pekingente nach deutscher Art.

Was ich anders machen würde:

Ich würde mehr Zeit im Norden Vietnams verbringen. Wir sind von Hanoi aus relativ zügig in den Süden gefahren, weil wir eigentlich noch einen Abstecher nach Kambodscha geplant hatten. Den Plan haben wir letztlich doch verworfen und waren stattdessen länger im Süden und auf Phu Quoc. Dafür haben wir Sapa verpasst – und das war ein Fehler. Der Norden Vietnams ist landschaftlich wirklich wunderschön. Und während der Süden schon sehr verwestlich ist, pflegt der Norden seine kulturellen Ursprünge mehr.

Was mich zum Nachdenken gebracht hat:

Wie der Tourismus Phu Quoc verändert, vor allem wie unnachhaltig diese Veränderungen sind. Am Strand entstehen die Luxushotels, im Landesinneren wohnen die Menschen trotzdem in Hütten. Wohlstand kommt bei ihnen nicht an. Stattdessen sammelt sich im Inselinneren der Müll der Touristen auf riesigen Deponien. Das einstige  Backpacker-Paradies konnten wir nicht mehr finden. Die Riffe vor den Traumstränden sind ebenfalls längst abgestorben. Ich würde nicht zurückkehren.

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