Afrika ist herausfordernd – hoffentlich. Denn in herausfordernden Situationen lernt man am meisten. Das sind die Gründe, warum ich fünf Monate durch Afrika reisen will, vom Süden bis in den Osten.
„Afrika ist doch gefährlich. Afrika, das ist doch total schwierig. Wie willst du denn von Ort zu Ort zu kommen. Und du bleibst da? Oder fliegst du noch weiter? Was willst du eigentlich in Afrika?“
So ungefähr läuft das typische Gespräch ab, wenn ich anderen von meinen Reiseplänen erzähle. Ja, ich will nach Afrika. Ja, ich will dortbleiben. Ja, mir ist klar, dass manche Länder in Afrika gefährlicher sind als andere, dass es mehr Kriminalität, dass das Reisen weniger luxuriös und vor allem komplizierter ist als in anderen Ländern. All das ist Teil der Begründung, warum ich mich ausgerechnet für Afrika entschieden habe. Um genauer zu sein: Für Süd- und Ostafrika.
Ich wusste, dass ich lange unterwegs sein will, lange bevor das Ziel feststand. Mir hat die Zeit auf meinen bisherigen Reisen nie ausgereicht. Ich habe mich immer gefühlt wie ein Besucher, der gerade erst beginnt, den Grund für seinen Besuch zu verstehen – und dann gebeten wird zu gehen. Deshalb wollte ich mehr Zeit haben, mich mit einer Region auseinander zu setzen. Für die klassische Weltreise, bei der man innerhalb von wenigen Wochen von Land zu Land hüpft, hätte mir auch das Budget und die Zeit gefehlt. Ich musste mich entscheiden, für einen Kontinent, für eine Region.
Ich liebe Asien. Die Natur ist wunderschön, die Kultur ist sehr offen, die Menschen sind extrem freundlich. In Asien habe ich immer das Gefühl, dass der nächste Adrenanlinkick nicht weit entfernt ist, oder das nächste freundliche Lächeln. Allerdings war ich nun auch schon einige Male in Asien. Für meine erste längere Reise wollte ich einen Kontinent sehen, der mir noch fremd ist.
„Und warum nicht Australien?“, fragen dann viele.
Weil es mich kulturell nicht reizt. Die Natur ist bestimmt wunderschön, aber Australien ist letztlich westlich geprägt. Jeder spricht englisch. Es herrscht ein hoher Lebensstandard. Aber ich konnte auf den Reisen am meisten lernen, wo sich der Lebensstil der Menschen von dem unterschied, mit dem ich aufgewachsen bin. Das ist ja der Grund, warum ich reisen will: Ich will mehr über die Welt erfahren, und über ihre Menschen.
Insofern gab es für mich nur zwei Optionen: Südamerika – oder Afrika. Südamerika wäre wohl günstiger gewesen. Und ich hätte genug Zeit gehabt, um spanisch zu lernen, das würde ich wirklich gerne können.
Und Afrika ist eine Herausforderung. Nicht nur, was die Art zu Reisen angeht. Sondern auch mental. So viele Probleme auf unserer Welt gibt es in Afrika in ihrer krassesten Ausprägung: Armut, Überbevölkerung, politische Instabilität, der mangelnde Schutz der Natur und der Tiere. Genau das will ich sehen, ich will darüber lernen, ich will mich selbst mental herausfordern.
Ich will wissen, wie sehr die Gesellschaft in Südafrika heute noch gespalten ist. Ich will am Kap der guten Hoffnung stehen und Hoffnung verspüren. Ich will in Namibia nach den Spuren der deutschen Kolonialpolitik fahnden, und sie in der Wüste wieder vergessen. Ich will mich von der Macht der Viktoriafälle berauschen lassen, und von der Wildheit Sambias. Und ich will offen sein, für all die anderen Überraschungen, denen ich in 150 Tagen Afrika begegne.
In einer Woche geht es los!