Johannesburg ist groß, städtisch, Johannesburg ist teuer. Und unsicher. Die meisten Touristen sehen die größte Stadt Südafrikas nur im Vorbeifahren, auf dem Weg zum Flughafen. Wir haben die ersten drei Nächte hier verbracht – und es hat sich gelohnt.Unsere Tipps für drei Tage in Joburg:
Maboneng – Johannesburgs Hipster-Viertel

Graffities und Kunst an jedem Haus, manche Häuser selbst sind Kunst, das ist Muaneng. Für ein paar Häuserblocks wirkt Joburg hier wie eine der coolsten Ecken New Yorks, inklusive Hipster-Cafés. Sonntags gibt es den Market on Main, einen Street-Food-Markt. Und abends geht es in den Social Club.Wir haben im Curiocity Hostel übernachtet, mitten in Maboneng. Eindeutige Empfehlung, weil man dort auch Abends problemlos zum nächsten Restaurant oder Imbiss laufen kann und in der Hostelbar auch viele Locals und Expats abhängen.
Soweto




Townships heißen die Areale, in denen die dunkelheutige Bevölkerung gezwungen war zu wohnen – und es heute noch tut. Soweto ist das berühmteste von allen, aus vielen Gründen. Zwei Nobelpreisträger lebten hier: Nelson Mandela und Bischof Desmont Tutu. 1976 begannen hier die Studentenproteste gegen das Schulsystem der Apartheit, 600 von ihnen starben. Zahlreiche Infotafeln erinnern heute an die Geschehnisse von damals. Soweto ist noch heute eine Stadt für sich, mit mehreren Millionen Einwohnern, mit Häuserblöcken für Wohlhabende, Arme und die Ärmsten der Ärmsten. Ihre Höuser sind aus Wellblech und Werbeschildern, Strom haben sie nur, wenn sie ihn von den Straßenlaternen abgezwackt haben. Sie waschen in Bottichen mit der Hand, und haben nur gemeinschaftliche Dixietoiletten. Und über all diesen Häuserblocks ragen die Soweto-Towers hervor, die ehemaligen Kühltürme eines Kohlekraftwerks.Tipps: Es gibt Touren per Fahrrad oder zu Fuß, aber man kann Soweto auch individuell erkunden. Wir hatten eine Walking Tour, aber ich war etwas enttäuscht und hätte lieber vor Ort einen eigenen Führer gesucht. Wir waren allerdings auch eine sehr große Gruppe, das ist immer unvorteilhaft. Aber egal, was ihr tut: Sucht euch auf jeden Fall einen Akota, einen Soweto Big Mac.
Apartheidsmuseum

Auf unseren Eintrittskarten versteckt sich ein kleines Label, wir sehen es erst gar nicht, packen die Karten gedankenlos weg. Bis wir an zwei Drehtüren kommen, eine für „Non-Whites“, eine für „Whites“. Unsere Eintrittskarten weisen und den Weg. Willkommen in der Apartheid. Der Weg durch das Museum führt durch Abschottung, Entfremdung, durch Elend, Gewalt und schließlich einen Pfad zur Demokratie.Das Museum ist wirklich gut gemacht, voller beeindruckender Fotos und Videos. Vielleicht sogar zu viele beeindruckende Zeugnisse. Hier kann man locker drei bis vier Stunden verbringen. Tipp: Schenkt Euch die historische Einführung und die Sonderausstellung zum Leben Nelson Madelas. Dann lest lieber eine Biografie oder guckt eine Doku über Mandela. Das Ende der Apartheid hat er schließlich auch nicht alleine bewirkt.
Constitution Hill

In dem ehemaligen Gefängniskomplex befindet sich heute der oberste Gerichtshof Südafrikas. Eine Führung führt durch beide Bereiche, durch das heute wie das gestern. Dabei kann man erfahren, wie die Hierachien im Gefängnis früher funktioniert haben, warum weiße Häftlinge Matratzen und dunkelhäutige Häftlinge nur Decken. Aber auch, warum hinter den elf obersten Richtern des Landes Kuhhäute als Dekoration hängen.
Zur Sicherheit
Lauft nicht alleine. Lauft nicht nachts. Lauft nicht ins falsche Viertel. Nehmt am besten ein Taxi, wenn ihr von Ort zu Ort müsst. Das sind die Regeln, die einem hier jeder verbietet. Ich war mir echt unsicher, wie sehr man sich daran halten soll. Ich erkunde eine Stadt lieber zu Fuß. Aber dann hat uns eine unserer Zimmernachbarinnen gleich am ersten Tag erzählt, dass sie ausgeraubt wurde. Fünf Blocks weiter, um halb fünf nachmittags. Also haben wir uns an die Regeln gehalten. In unserem Viertel Maboneng war es sehr sicher, wir konnten also ungestört zum Abendessen laufen. Zu den Museen und Attraktionen haben wir Uber genommen. Das hat problemlos funktioniert, die Fahrten haben je nach Entfernung zwischen 2-6 Euro gekostet. Da wir zu zweit oder dritt waren, fand ich das preislich auch okay. Nach drei Tagen muss ich sagen: Wir waren sehr vorsichtig. Aber unsicher gefühlt habe ich mich deshalb hier nie. Wobei es tatsächlich ein merkwürdiges Gefühl sein kann, die einzige hellhäutigen Menschen auf einer Straße zu sein. Die Augen der anderen bleiben immer einen Ticken länger an einem hängen als gewohnt. Aber so geht es Minderheiten und Immigranten in anderen Teilen der Welt wohl jeden Tag.