Es sind beim Reisen meist nicht die Orte, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es sind die Menschen, die man dort trifft, und ihre Geschichten. Einige davon will ich hier teilen.

Liau gehört zum Volk der Basotho, die im kleinen Königreich Lesotho in den Bergen Südafrikas leben. Sein Name wird De-Wau ausgesprochen.
Liau ist 29 Jahre alt und Schafshirte, er lebt in einem kleinen Dorf ohne Elektrizität oder fließendes Wasser. Heute zählt er 69 Schafe zu seiner Herde. Ihre Wolle verkauft er in Südafrika, in Port Elizabeth. Die Reise dauert einen ganzen Tag. Liau hat in der Schule sehr gutes Englisch gelernt, deshalb führt er manchmal Touristen herum. Das Geld nutzt er, um seine Herde zu vergrößern.
„Ich will mal 300 Schafe haben“, sagt er. Deshalb spart Liau auf einen neuen Schafsbock, ein Merinoschaf, die beste und teuerste Schafswolle der Welt. In seiner Freizeit guckt er auf seinem Handy Fotos von Schafsböcken durch.
Liau glaubt, dass es wichtig ist, realistische Ziele im Leben zu haben. Er weiß, was er will. „Man muss sich fragen, was kann ich in drei Jahren erreichen? Und daran arbeiten und sich selbst reflektieren“, sagt er.
Er mag keine Schakale, die töten die Schafe. „Eine Welt ohne Schakale und Kobras wäre eine bessere“, sagt er lachend. Auch Politiker mag Liau nicht, denn die bereichern sich nur. Er hat Angst vor Chinesen, denn davon gibt es zu viele in Lesotho, sie übernehmen das Geschäft.
Liau braucht keine Elektrizität, kein fließendes Wasser, denn das würde jeden Monat Geld kosten. Ihm reicht das Wasser aus dem Fluss und das Regenwasser, das ist kostenlos. Aber ein Merinoschaf, das ist Liaus aktuelles Ziel.
