Wir müssen uns heute von HM 12 trennen. HM 12 ist unser kleiner, silberner Hyundai, der uns nun seit 5000 Kilometern durch Südafrika begleiten musste. Er hat einiges mitgemacht in dieser Zeit, er musste einige Berge erklimmen, viele Lastwagen überholen und noch mehr Brems- und Ausweichmanöver für Schafe oder Hunde auf der Straße überstehen. Das hat ihm zugesetzt, er war lange ein übler Drecksspatz und hat auch einige Kratzer abbekommen. Wir haben viel zusammen durchgemacht. Deshalb widmen wir HM 12 zum Abschied diesen kleinen Blogbeitrag über die vielen Lehren, die wir in HM 12 über das Autofahren und den Straßenverkehr in Südafrika ziehen mussten.
1. Beim Linksfahren stören nur die Scheibenwischer
Es war unsere größte Angst: Kommen wir mit dem Linksverkehr klar? An jeden, der sich diese Frage stellt: Ja! Eigentlich war das Linksfahren gar kein Problem. Die ersten 20 Minuten Fahrt oder die ersten fünf Abbiegevorgänge fühlen sich noch merkwürdig an, danach haben wir uns auch im Linksverkehr völlig wohl gefühlt. Die ersten Tage fährt man vielleicht noch etwas zu sehr am linken Rand, deshalb lohnt es sich immer mal wieder den Außenspiegel zu checken. Das einzige Phänomen, was auch nach Wochen immer wieder mal aufgetreten ist: Weil die Schalter für Blinker und Scheibenwischer am Lenkrad vertauscht sind, haben wir beim Abbiegen gerne mal Ausversehen die Scheibe geputzt…
2. Blinker sind überbewertet
Schlimm ist das nicht, denn Südafrikaner halten ohnehin nicht viel von Blinkern und bremsen oder überholen oft ohne Vorwarnung. Besonders gilt dass für die kleinen, weißen Minibusse, die meistgenutzten öffentlichen Transportmittel. Wenn diese blinken oder Hupen, halten sie kurz darauf wahrscheinlich am Straßenrand an, um Passagiere aufzunehmen.
3. Das Warnblinklicht steht für Danke
Von Geschwindigkeitsbegrenzungen halten Südafrikaner nicht besonders viel. Offiziell gilt hier auch auf Autobahnen und Landstraßen ein Tempolimit von 120 km/h, aber insbesondere Jeeps und SUVs überholen auch gerne mit 140 km/h. Lastwagen und langsame Fahrzeuge fahren deshalb oft am linken Rand, um Überholmanöver zu erleichtern. Und auch wenn niemand blinkt, ein kurzes Aufleuchten mit der Warnblinkanlage ist in so einem Fall das oberste Höflichkeitsgebot.
4. Ein Geländewagen ist wirklich nicht nötig
Südafrika ist kein Entwicklungsland, die Straßen sind hier in wirklich guten Zustand. Die Mautstraßen und Autobahnen sind komplett ausgebaut, mit Markierungen und Reflektoren n den Seiten. Höchstens in abgelegenen Gegenden und ärmeren Wohngegenden findet man mal ein paar Schlaglöcher, aber mit denen kommt auch jeder Fiat Punto klar. Selbst im Krüger Nationalpark sind die meisten Straßen voll asphaltiert und die Nebenstraßen aus Erde in bestem Zustand. Geländewagen sind da völlig übertrieben. Da könnten höchstens ein paar Straße zu abgelegenen Wanderwegen eine Herausforderung darstellen.
5. Wer zuerst kommt, fährt zuerst

In Südafrika gilt kein links vor rechts! Die meisten Kreuzungen haben hier an allen Seiten ein Stopschild, dass die Autofahrer sehr ernst nehmen. An der Kreuzung dürfen die Autos zuerst wieder anfahren, die auch als erstes angekommen sind. Das funktioniert bemerkenswert gut. Die meisten Autofahrer sind an den Kreuzungen vorsichtig und stimmen sich im Zweifelsfall auch über Handzeichen ab.
6. Vorsicht, Warzenschweine
Das größte Risiko im Straßenverkehr sind deshalb wahrscheinlich die Tiere auf der Fahrbahn. Vor allem wer durch ärmere Wohngegenden fährt, wird häufig für Schafsherden, Ziegen oder spielende Hunde bremsen müssen. Manchmal sind es auch einfach nur Menschen, die ihre eigene Definition von Straßenrand haben und quer über die Fahrbahn laufen. In der Nähe von Nationalparks warnen Schilder gerne vor Springböcken, Elefanten oder Warzenschweinen.
7. Warum Afrikaner die Nacht nicht mögen
„Fahrt nicht nachts“, war eine der häufigsten Sicherheitsregeln, die wir hier gehört haben. In der Regel gelten die Straßen nachts als unsicher, in Städten sollte man deshalb immer das Auto verriegelt haben und auch nicht unbedingt für Pannenautos auf der Straße anhalten, weil das beliebte Tricks für Überfälle sind. Die Straßen leeren sich deshalb nachts schnell. Wir sind trotzdem mehrfach im Dunkeln gefahren und hatten damit keine Probleme. Vor allem wer an der Küste entlangfährt, wird vor allem der wirklich gut ausgebauten N2 folgen und muss keine Angst vor schlechten Straßenkonditionen oder Tieren auf der Fahrbahn haben.
8. An der Baustelle gibt es Lollies

Einziges Hindernis: Die vielen Baustellen. Die erkennt man schon von weitem an den Mitarbeitern in Wanrweste, die für jedes Auto ihre Fahne schwenken und so vor der Baustelle warnen. Oft ist eine Fahrbahn gesperrt, deshalb kann man schon mal einige Minuten vor einer Baustelle warten. Das nutzen fleißige Südafrikaner und verkaufen Lollies, Schokoriegel oder Obst an die Autofahrer.
9. Niemand muss alleine parken
An jedem Supermarkt und auch in der Stadt warten schon die eifrigen Einweiser in Warnweste, die einen mit großen Armbewegungen in die nächste Parklücke winken. Meist sind das keine festangestellten Mitarbeiter, sondern einfach freie Einweiser, die so ihr Geld verdienen. Wir haben deshalb immer ein paar Rand Trinkgeld im Auto parat liegen gehabt.
10. Echten Service gibt es nur an der Tankstelle
Die braucht man auch an der Tankstelle. Zum Tanken aussteigen muss in Südafrika niemand, darum kümmern sich die Mitarbeiter.Die säubern auch die Windschutzscheibe und kontrollieren auch Öl, Wasser und Reifendruck, während das Auto auftankt. Das Kartenlesegerät zum Bezahlen wird bequem durch die Fensterscheibe gereicht.
11. Keine Aussicht ohne Braai
Südafrika hat viele wunderschöne Straßen, die sich an Küsten, Klippen, Wäldern, oder Feldern vorbeischlängeln. Und ihr könnt euch sicher sein: Irgendwo entlang dieser Straßen gibt es einen Picknickplatz. Selbst in den verlassensten Gegenden findet man in Südafrika Aussichtspunkte mit Picknicktischen – und Braai-Stand. Braai nennen die Südafrikaner ihren Grill, und Braai ist auch sowas wie das Nationalgericht. Ein bisschen Kohle, Holz und Grillanzünder scheint jeder Südafrikaner im Auto zu haben.
12. Vorsicht vor Lesotho

Lesotho ist zwar völlig von Südafrika umgeben, aber trotzdem ein eigenes Land. Mit asphaltierten Straßen ist hier schnell Schluss. Die Wege schlängeln sich über Bergkämme, und wir mussten teilweise aussteigen, um Steine aus dem Weg zu räumen. Da hätten wir uns doch manchmal einen Geländewagen gewünscht…