Der Wal ist keine dreißig Metern entfernt. Er spielt am Ufer vor den Klippen mit den Wellen. Erst taucht sein Rücken auf, dann ein Stück Flosse, dann dreht er sich auf den Rücken und lässt sich treiben. Wir schauen mit offenen Mündern zu, während hinter uns die Sonne langsam unter geht.
Wir nennen es Low Budget Whalewatching. Mit Supermarkt-Wein und selbstgekochten Nudeln aus unserer Tupperdose sitzen wir auf den Klippen und starren wir auf die Flossen, Bäuche und Rücken, die immer wieder aus dem Wasser auftauchen.
Ich dachte immer, Wale beobachten sei langweilig. Ich dachte immer, man sehe eh nur mit viel Glück vielleicht mal ein Stück grau in der Entfernung auftauchen, nach dem man minutenlang angestrengt auf das Blau des Meeres gestarrt hat. Ich dachte, man sei zu weit weg, um die Ausmaße der Giganten unter der Wasseroberfläche überhaupt spüren zu können.
Doch man kann es, man kann den Walen nahe kommen. Wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
Hermanus gilt als der Walkindergarten Südafrikas. In der Bucht versammeln sich jeden Winter tausende von Southern Right Whales (Südkaper auf deutsch), um sich dort zu paaren oder zu gebähren. Die ganze Bucht ist deshalb voll mit Jungtieren, die mit ihren Müttern kuscheln oder in den Wellen spielen. Die Wale machen Urlaub in Hermanus, bevor sie im Sommer wieder zur Nahrungsaufnahme Richtung Süden abtauchen. Von den Menschen lassen sie sich dabei kaum stören.
Am nächsten Morgen sitzen wir auf einem Boot und steuern dem Sonnenaufgang entgegen. Low Budget Whale Watching war zu gut, um sich das High Budget Whale Watching entgehen zu lassen. Es ist kalt, und der Wind zerrt an den Jacken und Haaren. Bessere Bedingungen für Wale als für Menschen.
Der erste Wal taucht wie bestellt auf, sobald das Boot langsamer wird. Er taucht auf, schnaubt durch sein Luftloch, verschwindet wieder.

Plötzlich schießt ein massiger Körper aus dem Blau der Wellen heraus, und fällt mit einem gewaltigen Platscher wieder zurück. Wie ferngesteuert und mit angehaltenem Atem drücken alle Passagiere gleichzeitig auf ihren Fotoapparaten, um den Moment festzuhalten. Nur wenige Minuten später springt der nächste Wal.
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Ausgewachsen werden die Southern Right Whales bis zu 18 Metern lang, sie wiegen 80 Kilogramm. Die Wale hier in Hermanus sind nicht ganz so groß, die Kälber sind bei ihrer Geburt nur etwa sechs Meter lang. Doch sie wachsen rapide, besonders in den ersten sechs Monaten ihres Lebens, in dem sie noch gestillt werden. Die Mütter verlieren hingegen bis zu 40 Prozent ihres Körpergewichts in der Zeit.
Wir sehen gleich mehrere Mütter mit Kälbern, sogar ein weißes Kalb tollt vor unserem Boot herum. Es ist nur in den ersten Wochen seines Lebens weiß und wird sich bald blau-grau färben, wie seine Mutter auch.
Die Sonne steht mittlerweile über den Dörfern an der Küste. Wir kehren den Walen den Rücken zu und kehren zurück an Land, mit einer Erkenntnis: Die Macht von Giganten spürt man auch über der Wasseroberfläche noch.
Low Budget Whale Watching: An der Promenade von Hermanus, Wein für 50 Rand
High Budget Whale Watching: Sunrise Whale Watching Cruise mit Southern Right Charters, 700 Rand