Tag 68-71: Der Zambezi, Elefanten, das Kanu und wir


Plöztlich schießt ein Flusspferd aus dem Schilf. Wir haben es nicht gesehen, nicht gehört. Doch jetzt ist es irgendwo unter Wasser, nur ein paar Meter von uns entfernt. Wir sind erst ein paar Stunden auf dem Fluss und paddeln noch etwas in Schlangenlinien über die Wasseroberfläche. Mit einer dieser Linien sind wir vielleicht in sein Revier eingedrungen. Wir paddeln schnell, an die andere Uferseite. Weg von dem Hippo, hin zu zwei grasenden Elefanten.
Wenn ich bisher in einem Nationalpark auf Safari war, dann immer auf Abstand zu den Tieren, geschützt durch das Auto, hoch oben auf den Safari-Jeeps oder in großen Motorbooten. Aber das heißt, dass sich die Safari manchmal nur anfühlt, als würde man Fernsehgucken, wenn man durch die Glasscheiben die Tiere beobachtet.

Mit dem Kanu ist das anders. Wir sind mitten drin, ganz unmittelbar, wir gleiten über Krokodilköpfe hinweg und wissen es nicht mal. Die Tiere reagieren auch anders. In den großen Nationalparks sind die Elefanten und Löwen die Autos gewöhnt, solange sie Ihnen nicht den Weg versperren, ignorieren sie einfach. Aber in unserem Kanu werden wir von jedem Elefanten und Hippo ganz genau beäugt. Das hier ist ihr Revier. Und das lassen sie uns spüren.

Elefanten bauen sich vor uns auf, Flusspferde warnen uns mit lautem Schnaufen, ihnen bloß nicht zu nahe zu kommen. Und Krokodile verschwinden mit einem leisen Platschen in der Dunkelheit des Wassers, wenn wir auf sie zu gleiten. Unser Guide Cebe ermahnt uns, bloß nie die Hände oder Füße im Wasser baumeln zu lassen. Krokodile sind keine ehrgeizigen Jäger, sie warten nur auf die passende Gelegenheit zum Fressen. Eine baumelnde Hand kann eine Gelegenheit sein.

Was war die gefährlichste Situation, in die du je auf einer Safari geraten bist?, fragen wir ihn. Cebe lacht. Vielleicht erzähle ich euch das lieber am letzten Abend, sagt er.


Wir schlagen unser Zelt jede Nacht auf den Inseln im Fluss auf. Irgendwo auf einer Sandbank, damit wir den Hippos nicht in die Quere kommen, wenn die nachts grasen wollen. Wir waschen uns mit Wasser aus dem Fluss, wir trinken das Wasser auf dem Fluss. Und Cebe kocht unser Abendessen auf glühenden Kohlen. Die Sonne nähert sich dem Horizont und färbt das Wasser orange und die Berge am Horizont blau. Dann wird es dunkel, und die Milchstraße leuchtet über uns auf. Cebe zeigt uns Mars, Venus und Jupiter am Himmel. Eine bessere Sicht hatten wir selbst in der menschenverlassenen Wüste von Namibia nicht.

Wir stehen mit dem Sonnenaufgang auf, frühstücken und paddeln weiter. Ich dachte, dass vier Tage im Kanu vielleicht irgendwann zu anstrengend oder ermüdend sein könnten. Ist es nicht. Der Zambezi ist ruhig, wir paddeln entspannt über den Kilometer breiten Fluss oder seine schmalen, sich windenden Nebenarme. Es hat fast einen meditativen Effekt.

In der Mittagshitze gehen wir an Land, essen etwas Salat und Brot und holen dann unsere Matratzen, und machen die Augen zu. Siesta, sagt Cebe.

Am dritten Tag weckt uns ein Elefant. Er steht nur fünf Meter von uns entfernt und beobachtet uns. Mein Herz setzt aus. Ich traue mich nicht, rüber zu gucken. Einzelne Elefantenbullen können gefährlich sein, Herden die ihre Jungen beschützen wollen auch. Liegenbleiben und keine Geräusche machen, am besten tot stellen, raten einem die Afrikaner in so einem Fall. Es passiert nichts. Wir greifen nach dem Handy und versuchen wenigstens so einen Blick auf den Elefanten zu erhaschen, ohne uns zu viel zu bewegen. Er frisst.

Dann läuft er langsam weiter, in Richtung von Cebes Lager. Sollen wir rufen? Sollen wir ihn warnen? Oder verunsichern wir den Elefanten damit nur? Der Elefant ist schon fast da, als wir Cebe aufspringen sehen. Er versteckt sich hinter einem Baum. Der Elefant steht eine Weile unschlüssig herum. Und marschiert dann runter zum Wasser. Wir laufen rüber zu Cebe, noch immer mit Adrenalin im Blut. Aber der Elefant zupft zufrieden Seerosen und Gras aus dem Wasser und beachtet uns nicht mehr. Wir setzen uns hin und beobachten ihn eine Weile.

Das Gefährlichste? Ich dachte, ihr würdet die Frage vergessen, sagt Cebe abends, als wir um das Feuer sitzen. Er holt Luft und erzählt uns von Hippos, die ihr Revier verteidigen, die selbst Kanus zwischen ihren Kiefern zerbrechen können. Ein Tourist hat so seinen Arm verloren. Und auch die Krokodile können aus dem Wasser schnellen und nach Händen und Ellbogen schnappen. Einmal hat mich eins erwischt, sagt Cebe. Ich habe mit meinem Messer auf das Krokodil eingestochen, da hat es mich losgelassen. Mehr sei ihm in 22 Jahren als Safariguide noch nicht passiert, sagt Cebe. Aber den Respekt vor den Tieren wird er wohl nie verlieren. Der Zambezi ist ihr Herrschaftsgebiet.

Canoe Zambezi Island Trail

Anbieter: River Horse Safaris

Dauer: 3,5 Tage

Route: Start in Chirundi, Wagtail River Camp. Dann den Fluss entlang, vorbei am Mana Pools Nationalpark bis zum Lower Zambezi Nationalpark. Rücktransport nach Chirundu ist inklusive, wir haben dann auch einen Teil unseres Gepäcks dort gelassen

Kosten: Offiziell 680 Dollar, wir haben 450 Dollar (390 Euro) pro Person bezahlt. Mit einer größeren Gruppe und etwas Verhandlungsgeschick ist wahrscheinlich noch mehr Spielraum da.

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